Das Medienrepertoire mit echtem Mehrwert, nicht nur „nice to have“.
Wie ich selbst vor, nicht hinter der Kamera lernen durfte
Vor einigen Tagen durfte ich im Rahmen der Trainerausbildung der ADG ein kurzes Lernvideo produzieren.
Das war ein Fest: Licht an, Kamera an und locker flockig auf die Videobühne.
Ich war sehr happy – vor allem von Youessef und Carina, beide Mitarbeitende der ADG – begleitet zu werden. Dieses Video hat meinen Blick auf Lernmedien und die Produktion dieser Videos verändert.
Nicht nur, weil es locker, perfekt war, sondern, weil ich selbst erlebt habe, welches Potenzial in gut gestalteten Lernvideos, und dem z.T. auch spontanen Agieren vor der Kamera steckt. Ich bin schon heute sehr gespannt, wie die nächsten Teilnehmenden in der Selbstlernphase diese neuen Blended-Learning-Angebote nutzen.
Nun der Reihe nach…
Was wir leider noch oft erleben: WBTs, die keiner freiwillig zu Ende anschaut
Viele Lernangebote in Unternehmen, bei Dienstleistern, Behörden und Weiterbildungseinrichtungen, sind zwar technisch korrekt, aber didaktisch zu dünn „gewürzt“.
Drei typische Beispiele:
- Selbstlernlektionen mit reinen Textfolien/PDFs, Scroll-Marathon garantiert
- Videoformate, die nur Folien mit Vorlesestimme zeigen
- Lernmodule ohne emotionale Anker oder Transfermomente
Solche Formate sind selten lernwirksam, und noch seltener lösen sie Lernfreude aus.
Doch, und das ist so wichtig, Lernende in Selbstlernphasen brauchen das Gefühl von Kontakt, Klarheit und Motivation, weil i.d.R. niemand anderes zusätzlich im Raum sitzt, der Energie stiftet.
Das Ziel beim Lehren und Trainieren: Nachhaltiges Lernen schaffen durch Wirksamkeit + Lernfreude
Blended Learning lebt von Dynamik, Abwechslung und intelligenter Verzahnung.
Die Selbstlernphase ist dabei kein Lückenbüßer oder „Übergang“, sondern ein eigenständiger Lernraum mit echten Chancen.
Lernvideos sind besonders wirksam, weil sie:
- soziale Nähe herstellen, Menschen lernen von Menschen, nicht von Textkästen
- multisensorisch wirken, Sehen + Hören + Rhythmus bedeutet besserer Abruf des Gelernten
- Tempo und Wiederholung individuell ermöglichen, ja es geht, stoppen, zurückspringen, speichern
- Energie, Haltung, Begeisterung transportieren, das schafft kein PDF
- Transfer durch Beispiele erleichtern, Story statt Theorie hilft dabei sehr
Oder kurz: Videos bringen Gesicht, Stimme, eine Grundhaltung und Emotion in den digitalen Lernraum.
Und damit bleiben Inhalte länger erinnerbar und handlungswirksam.
WIE das nun gehen kann?
Drei Praxistipps für didaktisch starke Lernvideos
Hier kommen meine drei Lieblingsprinzipien aus der mediendidaktischen Toolbox, sofort einsetzbar:
1. Nähe statt Perfektion
- Blick in die Kamera, freundlicher Ton, klare Sprache
- Lieber authentisch als steril produziert
- Denk an die Lernenden, nicht an das „Publikum“
Regel: „Ich spreche mit dir“ statt „Ich präsentiere euch etwas“
2. Fokus: Ein Video = eine Botschaft
- 3 – 6 Minuten pro gedanklichem Kern
- Keine „Inhaltscontainer“, sondern Lernhäppchen
- Mikro-Struktur: Aufmerksamkeit, Problem/Themenstellung, Idee, Beispiel, Mini-Transfer
Regel: „Klein, klar, konkret“
3. Emotion plus Story plus Beispiel
- Denk an Aha-Momente, nicht an Stichpunkte
- Nutze Beispiele aus der echten Praxis (am besten deine eigene)
- Gern mit Humor, Augenzwinkern, Mini-Erzählung
Regel: „Story beats Folie“
Also…
Blended Learning ist kein Mix aus Tools, sondern eine Choreografie aus Formaten, Medien, Lernverständnis und Erlebnissen.
Videos sind darin keine Trend-Zutat, sondern ein Transfer-Booster.
Sie bringen die menschliche Seite des Lernens in die digitale Phase, und das macht am Ende den Unterschied zwischen durchgeklickt und abgehakt gegen mitgedacht und verankert.
